Cochin

Als „Königin des Arabischen Meeres“ gelangte Cochin durch den Handel mit Gewürzen zu Reichtum. Araber, Phönizier, Chinesen und etliche europäische Nationen prägten im Laufe der Jahrhunderte das Bild der Stadt, die sich über eine Gruppe von Inseln erstreckt.

Bei einer Bootstour zum malerisch gelegenen Stadtteil Fort Cochin können Sie das architektonische Erbe aus der Kolonialzeit bestaunen. Nicht weit von Cochin entfernt wartet der Tripunithura Palast auf Ihren Besuch.

Hafen Cochin

Die Hafenstadt im indischen Küstenstaat Kerala ist so abwechslungsreich, dass Sie das Gefühl haben werden, nicht nur in Indien zu sein. Gehen Sie auf Entdeckungsreise und folgen Sie dem Duft der Gewürze ins jüdische Viertel mit all seinen Marktständen. Oder besichtigen Sie die kunstvollen Wandmalereien im Holländischen Palast, der übrigens von Portugiesen erbaut wurde. Und am Fischmarkt können Sie die Wahrzeichen der Stadt bestaunen: Die chinesischen Fischernetze sind kunstvoll in der Luft aufgespannt und werden an Stangen ins Wasser gelassen.

Auf den ersten Blick scheint hier alles sehr verwirrend. Wenn nicht sogar faszinierend chaotisch. Cochin ist nämlich eigentlich eine Doppelstadt: Ernakulum liegt auf dem Festland und dient als Verkehrsanbindung an den „Rest“ von Indien. Cochin wiederum erstreckt sich über mehrere Inseln – Willingdon Island, Fort Cochin/Mattancherry, Bolghatty, Vypeen und Gundu – die über Straßenbrücken und mit der Fähre erreicht werden. Hier befindet sich die wichtigste Ansammlung von Sehenswürdigkeiten im ganzen Bundesland Kerala. Cochin ist auch geschichtlich betrachtet nicht ohne. Das Christentum gab es hier sehr viel früher als in den meisten Teilen Europas. Schon 52 n. Chr. brachte Apostel Thomas, der „Zweifler“, den christlichen Glauben ins Land. Sehr zur Überraschung von Vasco da Gama. Der portugiesische Seefahrer hielt die wehenden Palmen einst für winkende Menschen, die ihn willkommen heißen. Er beschloss augenblicklich, die freundlichen Inder zu missionieren. Nur um festzustellen, dass das Christentum hier bereits wie die sanft wiegenden Palmen fest verwurzelt war. Und um den Schmelztiegel der Religionen komplett zu machen: Die jüdische Gemeinde in Mattancherry ist etwa genauso alt wie die christliche. Gegen den Widerstand der lokalen Machthaber musste Cochin zu verschiedenen Zeitpunkten mit der Vereinnahmung durch Portugiesen, Holländer, Franzosen und Briten fertig werden. Diese Mächte hinterließen sichtbare Spuren in der Geschichte und Kultur der Stadt.

Ganz klassisch, aber garantiert auch mit jeder Menge Spaß, können Sie Cochin im Tuk-Tuk, der viel geschätzten Autorikscha, erobern. Auf geht’s ins historische Stadtviertel Fort Cochin, wo viele Häuser noch aus der portugiesischen Kolonialzeit vor 500 Jahren stammen. Die St. Francis-Kirche ist die älteste von Europäern erbaute Kirche des Ostens (1503). Den ersten Pflock setzten Franziskanermönche. Ihre Holzkonstruktion wich später einem Steinbau. Vasco da Gama, der 1524 in Cochin starb, wurde hier beerdigt. Seine Gebeine fanden zwar im Jahre 1538 ihre letzte Ruhestätte in Portugal, doch der Grabstein erinnert noch immer an den berühmten Seefahrer und Entdecker. Mit der Übernahme des Forts 1663 durch die Holländer wurde die Kirche protestantisch und 1795 mit den Briten anglikanisch. Wahrzeichen Cochins sind die chinesischen Fischernetze, die mit einem Stangengerüst ins Wasser gelassen werden. Die Tauchnetze brachten See- und Handelsleute vom Hof des Kublai Khan hierher. Und wenn Sie jetzt Lust auf Meeresspezialitäten bekommen haben, dann dürfen Sie den berühmten Fischmarkt nicht verpassen. Frischer kommt kein Flossentier auf den Tisch, denn der Fang wird direkt vor Ort zubereitet. Bei einer Bootstour durch den Hafen können Sie auch gleich die Fischer bei der Arbeit beobachten. Dabei geht es vorbei an den Inseln Vallarpadam, Gundu und Bolghatty.

Seit Jahrhunderten auf festem Boden hingegen befindet sich die Pardesi-Synagoge im Jüdischen Viertel des Stadtteils Mattancherry. Sie wurde ursprünglich 1568 gebaut, 1662 aber von den Portugiesen zerstört. Die Niederländer sorgten 1664 für den Wiederaufbau. Wunderschön sind die blau-weißen Fußbodenkacheln aus China, die den Innenraum zieren. Sie zeigen die Liebesgeschichte der Tochter eines Mandarins mit einem Bürgerlichen. Ebenso sehenswert sind die vergoldete Kanzel, die prachtvollen Kandelaber und die Lampen aus farbigem Glas. Das Jüdische Viertel war einst außerdem Cochins Zentrum für den Gewürzhandel, was seinen Bewohnern einen gewissen Reichtum einbrachte. Auch heute noch ist das Viertel auf Handel ausgerichtet. Inzwischen reihen sich aber auch Antiquitätenläden in diese Tradition ein.

Der Holländische Palast wurde 1557 ursprünglich von den Portugiesen gebaut und dem Raja von Cochin, Veera Kerala Varma, als Bestechungsgeschenk vermacht. Doch die Holländer renovierten und erweiterten ihn nach ihrer Übernahme im Jahre 1663. Deshalb der heutige Name. Im Innenhof steht ein bemerkenswerter Hindutempel. Und im ersten Stock liegt der Saal, in dem die Rajas gekrönt wurden. Im Erdgeschoss, wo einst die Damen des Hauses ruhten, sind eine Reihe historischer Gemälde aus dem 17. Jahrhundert sowie eine Sammlung von Sänften und Gewändern zu sehen. Mit dem Boot können Sie entlang der Cochin vorgelagerten kleinen Eilande zur Insel Bolghatty schippern. Die Erfrischungspause im Bolghatty Palace findet auf historischem Boden statt, denn im 1744 von den Holländern erweiterten Palast residierten einst die Kolonialherren. Heute erfreuen sich Gäste aus aller Welt am Charme dieses besonderen Hotels.

Zu den ältesten Städten im Süden Indiens zählt Vaikom, das an den Vembanad-See grenzt und von vielen Nebenarmen des Flusses Muvattupuzha durchkreuzt wird. Eine kleine Bootstour auf den Backwaters genannten engen Kanälen bietet sich da geradezu an, um zu den Sehenswürdigkeiten zu gelangen. Der Vaikom-Shiva-Tempel bildet das Herz der Stadt. Vor allem Früchte und andere Lebensmittel opfern die Gläubigen hier ihrem Gott. Bekannt ist Vaikom außerdem für seine Webarbeiten und die Verarbeitung von getrockneten Kokosnüssen. Wenn Sie wissen wollen, wie Bambusmatten hergestellt oder Kokosöl gewonnen wird, können Sie bei der Produktion zuschauen. Die Hafenstadt Alleppey ist das grüne Herz Keralas, aber auch der größte Binnenhafen der Backwaters. Hier startet Ihre Bootstour, die bis nach Kumarakom an den östlichen Ufern des Vembanad-Sees führt. Erhaschen Sie vom Boot aus einen Blick auf den Alltag der Menschen, die bis heute direkt an den Ufern der engen Kanäle leben.

Indien – faszinierend anders!

Daten & Fakten

Größe

Kerala ist der südwestlichste der indischen Bundesstaaten. Die Bevölkerung von etwa 30 Millionen Menschen lebt auf knapp 40.000 km2. Die Hafenstadt Cochin hat 500.000 Einwohner.

Klima

Oktober bis März ist für Kerala in Südindien die beste Reisezeit. Im April und Mai ist es sehr heiß, im darauf folgenden Monsun kann es zu heftigen Regenfällen kommen, hauptsächlich im Juli und August.

Politik

Indien (Hauptstadt Neu-Delhi) ist eine parlamentarische Bundesrepublik, die am 15. August 1947 ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. 1957 kam in Kerala die erste frei gewählte kommunistische Landesregierung der Welt an die Macht, und die linken Parteien stellen bis heute etwa die Hälfte der Abgeordneten, wenngleich sie nicht durchgängig die Regierungsmehrheit halten konnten.

Sprache

Nationalsprache ist Hindi, daneben gibt es 14 weitere Hauptsprachen und unzählige Dialekte. Die Hauptsprache des Bundesstaates Kerala ist Malayalam. Englisch ist die Sprache der Geschäftswelt und der gehobenen Schicht.

Währung

Eine Indische Rupie (INR) unterteilt sich in 100 Paise, 100 Rupien entsprechen ca. 1,50 Euro.